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Chilefänschter

Osterangebot
Dass wir an Weihnachten mit blödsinnigen Kauf-Angeboten aller Art überhäuft werden, daran haben wir uns gewöhnt. Nun scheint sich der Konsumrausch auch auf Ostern auszudehnen... Jedenfalls bekam ich in der Karwoche mehrmals ein Mail mit dem Titel „Osterangebot: 15% Rabatt auf alle Sackmesser – nicht verpassen“. Warum man mir vor Ostern unbedingt ein Sackmesser verkaufen will, leuchtet mir nicht so ganz ein. Um Osterglocken zu schneiden im Garten? Oder um damit Schokolade-Hasen zu metzgen? Gibt es allenfalls eine neue Funktion an solchen Oster-Taschenmessern? Grosse Klinge, kleine Klinge, Schraubenzieher, Aale, Eiertütscher, Hasenpiekser... Ich weiss es nicht, denn ich hatte keine Lust von diesem Osterangebot zu profitieren. Es war mir schlicht zu wenig attraktiv! Was sind schon 15% Rabatt – das wahre Osterangebot, das Gott uns macht, ist ganz und gar GRATIS!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter April
Als wir im Dezember den Weihnachtschmuck vom Estrich holten, kam auch wieder diese dümmliche Weihnachtsmann - Maske aus Kunststoff zum Vorschein, die, mit einer Batterie versehen, jedem, der vorbei läuft, „HOHOHO Merry Christmas“ wünscht. Aus Witz montierten wir das Plastikding an der Wand neben der Wohnungstüre So wurden wir gewiss 100 mal am Tag mit einem „HOHOHO Merry Christmas“ bedacht. Beim Kommen, beim Gehen und beim Weg in die Küche. Mit der Zeit fanden wir recht präzis heraus auf welche Distanz der Bewegungsmelder reagiert, und machten uns einen Spass daraus möglichst gleichzeitig mit dem Weihnachmann Hohoho zu sagen. Oder wir stellten dem Platstikgesellen schwierige Fragen, auf die er natürlich immer nur die eine Antwort gab: HOHOH Merry Christmas... Meine Hoffnung, die Batterie halte gewiss nicht ewig, hat sich bis heute nicht erfüllt. Mittlerweile blühen bald die Kirschbäuem aber der Hohoho hängt immer noch an der Wand und wünscht weiterhin Tag und Nacht frohe Weihnachten. Aber da er nun schon bald zur Familie gehört lassen wir ihn hängen, solange es ihm wohl ist. Und eigentlich ist es ganz gut, immer wieder daran erinnert zu werden, dass Weihnachten weitergeht und Gott uns nah ist auch im Frühling und im Sommer. In diesem Sinn: HOHOH Merry Christmas und einen frohen Frühling!

Chilefänschter März
Seit gut 2 Jahren habe ich nun schon ein altes schwarzes Bakelit-Telefon im Büro herum liegen. Ein Schreiner in Rifferswil hat es mir überlassen. Leider hatte ich noch nicht die Musse es zu installieren. Dabei sind das grossartige Dinger. Da spürt man die Nummer noch richtig in den Händen, wenn man die schwere Wählscheibe dreht und jemanden anruft. Wenn es schellt, tut es dies noch gradlinig und schrill, nicht wie heutige Apparate, die auf alle möglichen Arten säuseln und musigen. Und mit dem schweren Hörer in der Hand, spürt man noch förmlich das Gewicht der Worte, die trösten können oder verletzen, froh oder traurig machen. Ich nehme mir vor, den Apparat nun wirklich zu installieren. Er soll mich in seiner altmodischen Behäbigkeit täglich daran erinnern, dass auch weiterhin jedes Wort sein Gewicht hat, auch wenn allenthalben von Beginn des postfaktischen Zeitalters die Rede ist.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Februar
Es ist der 4. Advent, der Singkreis ist da und begleitet uns im offenen Singen. Alles ist vorbereitet, die Kerzen sind angezündet, die Kirche füllt sich mit singfreudigen Menschen. Der Chor hat sich vorne in der Kirche aufgestellt. Nach dem Einläuten beginnen sie zu singen.
Oh Schreck, die kleine Glocke fängt an zu läuten. Ich weiss, was das heisst: ich habe vergessen den Automat für das Abendläuten auszuschalten! Ich haste sofort in die Sakristei und stelle den Automatenschalter auf 0. Nichts passiert! Die 13 Minuten sind angelaufen. Was tun? Ah, der Hauptschalter. Ich eile die 4 Treppen im Kirchturm hinauf und kippe den Hauptschalter. Augenblicklich sind die Kontrolllichter der Glocken gelöscht, aber die Glocken schwingen natürlich noch. Langsam wird es weniger aber immer mal wieder bim, bam, bam.
Ich betrete die Kirche und entschuldige mich. Der Chor hat nach dem ersten Lied eine Pause gemacht. Der Dirigent sagt: «Es haben wohl selten so viele Leute so aufmerksam dem Glockenläuten zugehört.» Alle lachen.
Jetzt können wir das Konzert geniessen.
Elsbeth Durrer, Sigristin

Chilefänschter Januar
Ich staunte nicht schlecht, als mein Sohn mir am Abend des dritten Sonntags im November erklärte, er hätte den ganzen Nachmittag beim Kerzenziehen verbracht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass ein 2.Oberstüfler, der gerne über die Stränge haut, sich dem meditativen Flow der handwerklichen Kerzenherstellung hingibt...so kann man sich täuschen!
Die gezogene Kerze habe er leider nicht mitnehmen können, sie sei noch in der Sennerei. Wenn ich wolle, könne ich sie ja bezahlen und holen. Ich beschloss ein guter Vater zu sein und machte mich auf den Weg. Als ich die Kerze sah, traf mich fast der Schlag. Da stand ein fast meterlanger Prügel aus Bienenwachs. In jedem schlechten Film hätte man damit wohl den Bösewicht ins Jenseits befördert. Ich liess das Ding wägen und mit einem Kilopreis von
43.- multiplizieren. Und bald war mir klar, dass auch ich die Kerze nicht würde mitnehmen können. Mano grinste nur als ich mit leeren Händen zurück kam. Offenbar hatte er das erwartet. Wir kamen überein die rund 170 Franken, die sein Bienenwachsprügel gekostet hätte, im neuen
Jahr für eine gemeinsame Unternehmung aufzuwerfen.
Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter Dezember
Einmal im Monat findet im Chor der Kirche eine Meditationsnacht statt. In der Regel beginnen wir die Nacht mit einer schlich­ten Abendmahlsfeier im Kreis. Vor einiger Zeit geht just während dieser Abendmahlsfeier die Kirchentüre auf und eine verspätete Teilnehmerin stürzt herein, hetzt durch den Mittelgang, setzt sich zackig in unseren Kreis. Da sitzt sie und blickt einigermassen verunsichert auf den Kelch, wie er die Runde macht... Offenbar ist sie mit den christlichen Ritualen nicht vertraut. Ich versuchte zu erklären: „Mer fiiret am Aafang immer s Aabigmahl mit­enand“. Die Mine der unbekannten Besu­cherin hellt sich auf. „Ah, das isch e gueti Idee... aber danke, ich han scho z Nacht ghaa!“ Und sie gibt den Kelch, der gerade bei ihr ankommt, freundlich aber entschie­den weiter... Ich kann mir ein Schmunzeln nicht ver-kneifen und auch auf anderen Gesichtern macht sich Heiterkeit breit. Und einen Mo­ment lang, verweile ich beim Gedanken, dass für uns „zwinglianisch“ Reformierte das Abendmahl ohnehin nur das äussere Zeichen ist von Gottes Liebe. Sie gilt uns ausnahmslos allen. Auch jenen die schon zNacht gehabt haben...
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter November
Die Firma Schmidiger kündigte neulich mit einem knappen Schreiben an, sie werde am Soundsovielten im Auftrag des „Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft“ die Leckwarnschutzanlage des Heizöltanks kontrollieren. Da ich nicht genau weiss, wo die genannte Anlage mit dem langen Namen sich im Pfarrhauskeller befindet, rufe ich bei Schmidiger AG an. Mir schwant Böses... Die wollen doch nicht etwa in meinen Privatkeller...! Die Dame am Telefon ist sehr freundlich und erklärt mir die Anlage mit dem langen Namen befinde sich praktischerweise meist im Heizungskeller. Als ich hörbar erleichtert reagiere, bricht sie in schallendes Gelächter aus und kann sich kaum mehr erholen. Leicht irritiert frage ich was denn los sei. „Nüt“... .“Tschuldigung“. Hät nüt mit Ihne z tue...! Da geht mir ein Licht auf und ich frage sanft ins Telefon: „Gället sie, sie händ au es Puff im Chäller“ Am andern Ende geht das Gelächter wieder los. „Ja logisch... “.. Diesmal lache ich ausgiebig mit. Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Oktober
Für das VaterSohnWochenende Ende August war eitel Sonnenschein vorher gesagt. Das richtige Wetter um mit den Vätern und Buben an der Sihl zu campieren, zu baden und zu kochen. Aufgrund der tadellosen Prognose entschloss ich mich wieder einmal in der Hängematte zu nächtigen. Wie schön! Durch die Blätter der grossen Buche hindurch funkelten die Sterne, ein paar Meter weiter rauschte die Sihl, in der Luft hing noch ein feiner Rauch vom Lagerfeuer. So schlief ich selig ein am Busen der Natur, während auch in den Zelten, langsam die Lichter verlöschten. Als ich mitten in der Nacht aufwachte, war es vorbei mit der Idylle. Es goss wie aus Kübeln. Ich hatte wohl wieder einmal dem falschen Wetter-App vertraut. Es blieb mir nichts anderes übrig als im grössten Zelt Unterschlupf zu suchen, mit feuchtem Schlafsack und ohne Schlafmatte. War ich eben noch wohlig eingeschlafen wie ein satter Säugling am Busen der Natur, so fand ich mich nun quasi auf dem harten Boden der Realität wieder, lag wach und zählte die Viertelstunden. (Auch ohne Glockenschlag...!) Und mir wurde wieder einmal bewusst, dass das bedingungslose Vertrauen des Menschen allein dem Segen des Himmels gelten darf! Bei den Segnungen der Technik hingegen – und mögen sie noch so toll sein - sollten wir immer auch einen Plan B bereithalten.... - Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter September
Wie nimmt man eigentlich im Pfarramt das Telefon ab ...? Darüber hat man uns zu meiner Zeit nichts beigebracht in der Ausbildung. Dabei hat es die Frage durchaus in sich... Melde ich mich mit «Andreas Fritz, Pfarramt Mettmenstetten», oder mit «Pfarramt Mettmenstetten, Andreas Fritz»? Steht also das Amt im Vordergrund, oder Name bzw. die Person, des Pfarrers? Oder betone ich eher, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin und melde mich mit «Chile Mettmestette,» wenn ja, ist es allenfalls wichtig zu betonen, dass diese Kirche reformiert ist, also: «reformierti Chile Mettmestette»? Natürlich könnte man auch die grundsätzliche Offenheit der Kirche betonen indem man sich schlicht mit einem einladenden «JAA..» meldet... Oder man betont den Dienstleistungscharakter und tut es gewissen Versicherungen gleich: «reformierti Chilegmeind Mettmestette, min Name isch Andreas Fritz, was chan ich für sie tue» ... Und zugegeben: Manchmal packt mich auch die Lust, die ganze Pfarramtlichen Meldeproblematik auf die Schippe zu nehmen, dann melde ich mich mit «Fritz in Bümpliz» und schau mal, was passiert.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter August
«Man ist immer so alt, wie man sich fühlt»,so weiss es ein oft zitiertes Sprichwort. Allerdings hat diese Weisheit auch ihre (natürlichen) Grenzen, das ist mir neulich aufgegangen, als ich mit den Ex-Konfirmanden im Europapark war... Sie wissen was kommt: Man fühlt sich selbst jung und jugendlich unter all den jungen Menschen, will auf keinen Fall alt wirken...
So nimmt das Verhängnis seinen Lauf, und irgendwann findet man sich im Anstieg einer dieser selbstmörderischen Achterbahnen wieder, wird langsam in schwindelerregende Höhen gezogen und flucht innerlich auf die eigene Eitelkeit. Aber es gibt kein Entrinnen mehr. Unter einem werden die Menschen langsam zu Ameisen. Nach vollbrachtem Höllenritt rennt die Jugend schon zur nächsten Attraktion. Der aber, der glaubte, man sei immer so alt wie man sich fühle, fühlt sich gerade soooo alt, dass er die nächste Viertelstunde still auf einem Bänkli sitzt und wartet, bis sich die Zustände im Magen wieder normalisiert haben....
Pfarrer Andreas Fritz

Gast-Chilefänschter Juli
Nach dem Unterricht letzten Samstag sprechen Pfarrer Andreas Fritz und ich noch über unsere Erfahrungen im Unterricht. Da erzähle ich ihm, was grad vorhin in der Lektion passiert ist...

Wir sind mit den 2. Klässlern an den biblischen Wandergeschichten. Da kommt auch die Geschichte von Mose dran. Also ich erzähle frisch fröhlich von Mose, wie er gerettet wurde vor dem Pharao, wie er später das Volk aus Ägypten herausführte, wie er mit den vielen Leuten unterwegs durch die Wüste war, und alles was er da so erlebt hat. Dann waren wir am Ende der Geschichte angelangt, und ich sagte noch, dass Mose merkte, dass er bald sterben werde. Er sei ja schon 120 Jahre alt.

Die Kinder schauten mich an und eines sagte: «o, das ist ja noch älter als Sie sind!»
Da wusste ich es. Zwar bin ich noch nicht halb so alt wie Mose damals, doch in den Augen der Kinder schon sehr alt. Aber doch noch jung genug, dass die Kinder in der Pause mich fragen: «Machen Sie auch mit beim Fangis?»

Heidi Degiorgi, Katechetin

Chilefänschter Juni
Als ich neulich beim Coiffeur sass und in den Spiegel blickte, da fand ich, dass mir der schwarze Coiffeurmantel ausnehmend gut stand. Wahrhaftig, er verlieh mir eine grosse Ernstanhaftigkeit, ja Würde...! Gewiss hatte dieser Eindruck auch mit der ohnehin ordentlichen Erscheinung zu tun, die einem so ein Haarschnitt in der Regel verleiht. Versuchsweise dachte ich mir zum schwarzen Mantel noch zwei hübsche weisse Päffchen hinzu und kam zum Schluss, dass mir ein Talar eigentlich gut stehen würde. (Nachdem ich nun 20 Jahre lang entschiedener Talargegner war...) Die Zukunft wird zeigen, ob es sich bei meiner Erkenntnis nur um einen spontanen Anfall von Eitelkeit gehandelt hat, oder um den Anfang einer neue Aera in punkto Predigtgewand. Auf alle Fälle weiss ich mich mit meinen existentiellen Gedanken beim Blick in den Coiffeurspiegel in bester Gesellschaft! Schon den grossen Mani Matter, hat ja einst, in ähnlicher Situation das metaphysische Gruseln gepackt....

Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Mai
Vor einiger Zeit bemerkte ich, dass sich an der Holzdecke im Pfarrhauskeller ein Brett gelöst hatte und auf der einen Seite nur noch lose auf einem Heizungsrohr auflag. An sich nichts weltbewegendes. «Materialschwund» sagte der beigezogene Fachmann hinterher, als er das Brett zurück an seinen Ort schraubte. Brisant an meiner Entdeckung war lediglich der Zeitpunkt: Eben spielte sich im Keller ein munteres Seniorenessen ab. Für einen Moment war ich versucht auf Nummer ganz sicher zu gehen und die mögliche Absturzstelle weiträumig zu evakuieren. Allerdings hätte das wohl eine grosse Unruhe gebracht in die fröhliche Veranstaltung, und eigentlich schien das Brett auf dem Heizungsrohr vorerst stabil zu liegen. Vollends bestärkt in meiner Entscheidung nichts zu unternehmen, hat mich allerdings der Umstand, dass in der unmittelbaren Gefahrenzone ausschliesslich gute Kirchgänger sassen. Der EWIGE würde gewiss nicht ausgerechnet seine treusten Schäfchen zu Schaden kommen lassen....!

Augenzwinkernd.
Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter April
Neulich besuchte ich mit den Konfirmanden die wöchentliche Abendmahlsfeier im Kloster Kappel. Das ist ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser für die Jungen.
Die andächtige Stimmung und der liturgische Ablauf sind für die meisten ungewohnt.
Aber ich finde, einmal ein Kappeler Abendmahl erlebt zu haben gehört im Säuliamt zur reformierten Allgemeinbildung.
Und so wagten wir uns also in die Höhle des Löwen, bzw. in den Kapitelsaal im Kreuzgang.
Als wir eintraten sass da bereits dichtgedrängt eine stattliche Abendmahlsgemeinde.
Aber irgendwie war alles seltsam. Einige Anwesende, waren ziemlich finster geschminkt. Während dem Eingangslied bemerkte ich, dass der Mann neben mir in Wirklichkeit eine Frau war und einen angeklebten Schnauz hatte. Ein anderer Mann vis a vis trug deutlich erkennbar eine Perücke. Den Konfirmanden und Konfirmandinnen war anzusehen, dass sie sich im falschen Film wähnten. Fragende Blicke, Getuschel. Waren sie in eine Sekte geraten?
Noch verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Inbrunst mit der die Sektenbrüder die Gebete sprachen und die Lieder sangen und einander im Abendmahl das Brot und den Kelch weiterreichten.
Mit dem letzten „Amen“ verliessen die Jugendlichen fluchtartig den Raum und kugelten sich im Kreuzgang vor Lachen....“Hey das isch ja voll krass, häsch gseh, das isch im Fall e Frau gsii... und wie die gsunge händ...“
Die vermeintlich finstere Sekte entpuppte sich indes bald als Vikariats-Kurs der Landeskirche.
Alles angehende Pfarrer und Pfarrerinnen, die ihren letzten Abend mit einem Rollenspiel verbrachten.
So war es auch an diesem Abend wie oft im Leben: Erst beim Blick hinter die Kulissen erkennt man wirklich, was gespielt wird.

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter März

Seit Wochen liegt die Steuererklärung auf meinem Schreibtisch und erinnert mich daran, dass ich sie ausfüllen sollte. Ich habe die Kommissärin auf der Gemeinde vorsorglich darum gebeten, mir dieses Jahr etwas mehr Zeit zu geben... . Übrigens habe ich den Fachbegriff für diesen Vorgang erst vor kurzem gelernt und zwar beim Seniorenessen. Ein Mann Anfang achtzig erzählte mir von seiner bevorstehenden Herzoperation. Offenbar machte ich beim Zuhören ein sehr besorgtes Gesicht, denn er sagte lächelnd: „Sie müssen sich keine Sorgen machen, Herr Pfarrer, ich komme schon wieder. Wissen sie, ich habe im Himmel Fristerstreckung eingereicht...

Nachtrag: Zu meiner Freude, wurde dem Antrag auf Fristerstreckung in beiden Fällen stattgegeben!

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Februar

Seit ich lesen kann, fasziniert mich bei gewissen Worten die Tatsache, dass sie rückwärts gelesen einen anderen Sinn ergeben.
Hin und wieder frage ich mich auch, ob zwischen einem Wort und seinem Rückwärtsbruder gar ein innerer Zusammenhang besteht...
Zum Beispiel hat der SARG ja doch einiges mit dem GRAS zu tun unter das er gemeinhin zu liegen kommt. Auch dass das LAGER, wo wir viele nützliche Dinge aufbewahren, über das eine oder andere REGAL verfügt, scheint sinnig.
Im Allgemeinen gehen wir auch davon aus, dass einer der ein BEIL in der Hand hat es LIEB meint...
Ebenso wissen wir, dass wir im LEBEN hin und wieder mit NEBEL zu kämpfen haben, auch im übertragenen Sinn.
Und ja, für den Faulen, der das neue Elektrogerät ohne Gebrauchsanweisung in Betrieb nimmt gilt im Nachhinein vielleicht:
LESE, ESEL.
Beim REGEN macht mir seit neustem die politische Korrektness einen Strich durch die Rechnung... obwohl sich hier ein innerer Zusammenhang geradezu aufdrängt.
Die tiefste Erkenntnis allerdings ist mir in Griechenland, der Wiege aller Philosophie, gekommen: Nachdem ich reichlich einem fein geharzten Retsina zugesprochen hatte, entdeckte ich, dass das (auf dem Land übliche) Behältnis desselbigen immer sich lebst bleibt: RETSINAKANISTER...
Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Januar

Anfangs Dezember ruft mich Ernst Suter an. Ohne Umschweife kommt er zu seinem Anliegen:
„Wieviil Kamel häsch?“
Im ersten Moment verstehe ich rein gar nichts. Ich habe zwar einmal mit dem Gedanken gespielt eine Ziege oder ein Schaf anzuschaffen im Pfarrhausgarten, aber Kamele…
Vorsichtig frage ich nach dem Befinden meines Gegenübers. Schliesslich ist die Adventszeit bekannt dafür, dass der eine oder andere etwas überhitzt und plötzlich rote Elefanten sieht... oder - warum nicht - Kamele.
Die Antwort ist unverdächtig: „Gaat guet, cha nöd chlage...echli vil z tue“ - „Gäll, zwei, oder?“
Offenbar hält er an den Kamelen fest. Jetzt heisst es Farbe bekennen:
„Ernscht ich chume nöd druus“
Ein Grinsen am anderen Ende der Leitung verrät mir, dass da einer Schabernack treibt mit mir.
„Weisch, wäge de tragbare Mikrofon…“
Aha. Jetzt ist alles klar: Krippenspiel!
Ich hätte es wissen müssen….

Mit humorvollen Wünschen für s neue Jahr!

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Dezember

Wir erklären unserem Jüngsten, dass es nun an der Zeit sei eine gefütterte Jacke zu kaufen.
Jonathan kugelt sich vor Lachen. Das Wort "gefüttert" scheint ihn im Zusammenhang mit einem Kleidungsstück sehr zu belustigen.
Einige Stunden später kommt er mit einem schönen neuen Mantel ins Büro gestürzt: Lueg Papi, s'Mami hät mer en vollgfrässene Mantel kauft. ..!

Ich wünsche uns allen eine warme Advents- und Weihnachtszeit.

Pfarrer Andreas Fritz


Chilefänschter November

Während der warmen Jahreszeit kommen hin und wieder Roma aus dem Osten an die Pfarrhaustüre und suchen Arbeit im Garten. Wenn das Unkraut gerade hoch steht (und das tut es fast immer..), stelle ich sie gerne für ein paar Stunden an. Vor einigen Wochen waren zwei Slovaken da. ......

........Während ich ihnen zeigte, was zu tun war, hörte ich, dass sie miteinander ungarisch sprachen. Offenbar gehörten sie zur Ungarischen Minderheit in der Slovakei. Ich liess mir allerdings nicht anmerken, dass ich jedes ihrer Worte verstand.
Als sich die beiden dann nach getaner Arbeit mühsam auf Englisch verabschiedeten, konnte ich es nicht lassen doch noch ungarisch aufzutrumpfen...
Hei da freuten sie sich aber, als sie plötzlich ihrer Muttersprache hörten. Doch weh mir!

Jetzt nachdem die Sprachbarriere gefallenen war, wollten sie nicht mehr aufhören mit Erzählen. Von der kranken Schwester zuhause, von den hungrigen Kindern, vom leeren Benzintank, von der gänzlich unverschuldeten Busse wegen der abgefahrenen Pneus, vom Winter, der gewiss streng würde dieses Jahr ... Ganz alles glaubte ich den beiden Schlaumeiern nicht, und zu Geldspenden liess ich mich nicht überreden. Trotzdem hatte mich meine unvorsichtige Prahlerei eine Viertelstunde später etwa drei Kilo Grundnahrungsmittel gekostet, zwei grosse Dosen Ravioli, zwei fast neue Winterreifen aus der Garage und etliches Alteisen. Als die beiden endlich losfuhren, betonten sie noch einmal, wie erfreulich das sei, wenn jemand Ungarisch spreche.... Tatsächlich!

Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter vom Oktober

Unser Papagei war eigentlich den ganzen Sommer über im Garten. Meist sass er auf dem Käfig und beäugte die Bauarbeiten auf der Pfruendmatt. Solange der Baum, unter dem der Käfig stand, schwarze Beereli trug, war er auch oft im Baum anzutreffen. Zum Abhauen in die grosse weite Welt fehlt ihm der Mut. Er hat panische Angst vor anderen Vögeln....

.....Erst gegen Ende August wagte er hin und wieder einen kleineren Aus-Flug rund ums Pfarrhaus. Manchmal kommentierte er vom grossen Ahorn aus das Geschehen auf dem Wöschlivorplatz. Am letzten Augustsonntag aber begab sich Dramatisches: Ich sitze eben am Computer und drücke eine Taufurkunde aus, plötzlich höre ich von der Zürichstrasse her wildes Papageiengeschrei. Da fliegt mein Vogel in der Morgensonne und hinter ihm her zwei wilde Tauben, die ein offenbar feindliches Interesse haben an dem fremden Fiederling. Natürlich sind sie ihm fliegerisch weit überlegen. Was tun? Bis ich draussen bin sind die Vögel wahrscheinlich allesamt weg. Ich öffne das Fenster und rufe aus Leibeskräften. Und tatsächlich, der Papagei erkennt den Fluchtweg, ändert die Richtung und kommt durchs Fenster hereingeflattert.
Ich hoffe, er hat an diesem Sonntag zwei wichtige Dinge gelernt übers Leben:

1. Die grosse Freiheit birgt immer auch Unbekanntes.
2. Manchmal geht auch in auswegloser Situation irgendwo noch ein Fenster auf...

Andreas Fritz, Pfarrer

 
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Nächste Anlässe
Trauergruppe
Am 29.04.2017 um 10:00 Uhr
Zwillikerstübli, Café Seewadel, Affoltern am Albis, Ursula Jarvis
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Regionalgottesdienst
Am 30.04.2017 um 10:00 Uhr
reformierte Kirche Maschwanden, Pfarrerin Claudia Mehl
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Gesprächsgruppe für pflegende und begleitende Angehörige
Am 02.05.2017 um 09:30 Uhr
im Wöschhüsli, Areal Ref. Kirche Affoltern, Ursula Jarvis
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