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Chilefänschter

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Oekumene auf höchstem Niveau
Anfangs Monat kam „unser“ Zwinglibrot in die Läden. Sie haben es sicher schon gekostet. Mir persönlich schmeckt die alte Getreidemischung ausgezeichnet. Am hübschesten finde ich natürlich die Oblade mit dem bekannten Konterfei des Zürcher Reformators. Die Albisbäckerei hat davon 18000 Stück bestellt. Ob sich auch soviele Brote verkaufen lassen bis Ende 2019, kann man natürlich nicht genau wissen. Im schlimmsten Fall bleiben ein paar hundert Zwingli Obladen übrig. Die könnte man dann zu besonderen Gelegenheiten verschenken. …Oder noch besser: Wir überlassen sie den katholischen Brüdern und Schwestern auf dem Rüteli für die Feier der heiligen Messe. Das wäre dann sozusagen Oekumene auf höchstem Niveau…
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter November
Neulich am Pfarrsonntag. Nach einer hübschen Wanderung vom Riemenstaldental über die Lidernenhütte zum Hundsstock und wieder irgendwie runter ..stehe ich nun am Seilbähnli auf dem Chäppeliberg und bin froh, dass der schlappe Bergfreund in der Innerschweiz allenthalben ein Bähnli ins Tal findet. Die Beizerin von nebenan, ist auch gleich die Seilbahnwartin und Kassierin. 6.80.- will sie für die Fahrt. Das ist ja nun wirklich kein Geld… vorausgesetzt man hat es! Ich hab offenbar zuviel Aprikosenwähe gegessen auf der Lidernenhütte. Wenn ich alles Münz im Portemonnaie zusammenklaube, sind es vier Franken...
Ich schau die Frau verlegen an. Ob sie mich wohl auch für vier Franken ins Bähnli lässt…“Es wäre eine gute Tat „ sag ich. Und fast schon verzweifelt: „Ich würde für sie beten - ich bin Pfarrer“… Für einen Moment blickt sie mich erstaunt an. „Ja stimmt das au…?“ „Ganz sicher“, …“ z Mettmestette im Kanton Züri.“ Das hätte ich besser nicht gesagt, denn nun kommt natürlich die Gretchenfrage: „Katholisch oder reformiert…?!“ „Reformiert“ gestehe ich.“. Sie schaut mich nachdenklich an: „Demfall… es paar Vaterunser“ …“nützt nüt so schatds nüt…“ und öffnet mir huldvoll die Türe zur Kabine.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Oktober
Es ist nicht mehr zu übersehen: Im Pfarrhausgarten blüht eine wunderbare Hanfstaude. Die alt 68er ennet der Gartenmauer halten sich nicht zurück mit grinsenden Kommentaren. Ich meinerseits werde nicht müde zu betonen, dass die Staude der Abkömmling eines Papageienfuttersämlings sei, alles legal! Reine Gärtnersfreude. Auch den Konfirmanden, die allenfalls auf die Idee kommen könnten nächtens heimlich zur Ernt‘ zu erscheinen, sei s von Anfang an gesagt: Das edle Kraut taugt bestenfalls zum Hanfkissen auf dem sich der Pfarrer die nächste Sonntagspredigt erträumt!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter September
Für ein paar Tage hatten wir Anfangs Sommer den Dachdecker. Das Dach der heimatgeschützten Garage musste wieder einmal kontrolliert werden. Ich habe selten einen Handwerker fröhlicher und würdiger seiner Arbeit nachgehen sehen. Leise pfeifend nahm er von morgens bis abends einen Ziegel nach dem anderen in die Hand und begutachtete ihn aufmerksam. Dann kamen die guten wieder aufs Dach, die anderen kamen in die Mulde.
Einmal winkt der Mann auf dem Dach mir zu und ruft: Wänd sie en Ziegel…? Ich weiss nicht so recht, ob ich einen Ziegel will, aber irgendwie passt die Frage zu dem Mann. Und tatsächlich: Er steigt vom Dach herunter und überreicht mir ein Prachtexemplar von einem Tonziegel. Bei genauerem Hinsehen entdecke ich eine Jahreszahl: 1763! Er strahlt mich an. Ich staune. Im selben Jahr wurde auch das Pfarrhaus erbaut. Man stelle sich das vor: Seit 255 Jahren tut dieses Stück gebrannter Ton nun schon Dienst auf dem Garagendach, hat Sommer und Winter, Regen und Sturm gesehen, gute Jahre und schlechte Jahre.
Plötzlich verstehe ich den Dachdecker und die fast schon ehrerbietige Art, mit der er Ziegel für Ziegel in die Hand nimmt und begutachtet…
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter August
Seit ein paar Tagen tut die Waschmaschine im Pfarrhaus nicht mehr wie sie sollte. Manchmal steht sie mitten im Programm still und teilt uns mit, dass der StörFall *A2 eingetreten sei. Ich bin zunehmend genervt. Als ich mich entschliesse bei V-ZUG anzurufen, teilt man mir mit, dass erst in ein einigen Tagen ein Service-Mann verfügbar sei. Dadurch bessert sich meine Laune nicht wirklich. Das bekommen meine Teenies zu spüren, denen ich nun einen Vortrag halte über die Handhabung von Waschmaschinen im Allgemeinen und im Speziellen. Vor allem auf den Punkt, dass vor jedem Waschen die Hosentaschen zu leeren seien – das ist ja wohl das mindeste!! - lege ich einigen Nachdruck. Die beiden schauen mich, ob meines spontanen Ausbruchs, belustig an. „Filter häsch kontrolliert“ fragt mich mein Sohn mit betonter Sachlichkeit. Ja, hab ich. Gopfriedstutz – nicht nur kontrolliert sondern auch Taschentücher und andere Sachen rausgefischt! „Dann müsste die Maschine jetzt ja laufen…“ (wieder diese betonte Sachlichkeit!) Und mit ein paar geschickten Handgriffen öffnet mein Sohn den Filter und hält mir nach einigem Suchen einen wunderschönen kleinen Bergkristall entgegen „Die gits doch uf de Greina…(breites Grinsen) chönt s sii, dass de i dine Wanderhose vo de Konfwanderig gsii isch?!“ Etwas später rufe ich wieder bei V-ZUG an. Das Problem ist gelöst, wir brauchen keinen Techniker mehr.
Und das schönste an der Geschichte: Endlich weiss ich was der StörFall *A2 bedeutet: Bergkristall im Filter.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Juli
Seit Jahren lassen wir an Pfingsten bunte Ballone mit Segenskarten steigen nach dem Gottesdienst. Eigentlich ein schöner Brauch. Der Wind trägt unsere Segenswünsche mit sich fort, und nicht selten landen sie an Orten, an denen sie Menschen bewegen. Dieses Jahr zum Bsp. ist eine Karte im Justizvollzug Uitikon auf dem Hof gelandet.
Allerdings gehen wohl die meisten unserer Ballone irgendwo in Wald und Feld nieder und dort sind sie dann definitiv kein Segen. Nachdem wir immer mehr Rückmeldungen in diese Richtung erhalten, ist es an der Zeit den Brauch der bunten Pfingstballone zu überdenken und allenfalls durch ein anderes Ritual zu ersetzen. Was das sein könnte? Phantasieren
Sie mit…!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Juni
Neulich hat sich mein Papagei selbst aus seiner Volière befreit. Wie er das fertig gebracht hat ist mir schleierhaft. Tatsache ist, dass er wahrscheinlich über Stunden unbeaufsichtigt im Büro war. Natürlich hat der freche Vogel während dieser Zeit seinem grossen Hobby gefrönt: Papier zu Konfetti verarbeiten. Das ist für jedes Büro der SuperGAU! Vor allem mit der Mitglieder-Kartei hat er sich offenbar intensiv auseinandergesetzt. Geschätzte 20 Reformierte aus den Bereichen A-C sowie K und O waren anschliessend verschwunden bzw. bis zur Unkenntlichkeit gehäckselt. Da kann man wohl sagen, die Kirche leide an Mitgliederschwund..
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Mai
Seit letztem Sommer kommt jeden Monat ein Italiener an die Pfarrhaustür, dem ich jeweils zwei drei Flaschen Billigwein zu übersetzten Preisen abkaufe. Es ist für beide Seiten eine Art Spiel: Er weiss, dass ich weiss, dass er mir einen Fusel andreht. Aber das ist schon ok so, schliesslich braucht er Geld. Nur so aus Gwunder schaue ich jeweils im Netz nach, was die Flaschen wirklich kosten. Meist lande ich bei Denner. Unterste Kategorie, zwei bis drei Franken. Nach seinen Besuch im Januar aber geschah etwas Seltsames: Ich landete mit meiner Recherche im Internet nicht bei Denner, sondern beim Fachhandel, und die drei Flaschen, die ich eben erstanden hatte kosteten gut 20.- das Stück! Jetzt war ich baff.
Offenbar hatte sich unterwegs von der Pfarrhaustüre ins Büro eine Art Weinwunder ereignet ... oder aber (die wahrscheinlichere Variante) mein „Lieferant“ hat den Wein irgendwo mitgehen lassen ohne zu wissen, was er kostet. Jetzt bin ich im Zweifel, was ich mit dem guten Tropfen, dem möglicherweise der Makel der Sünde anhaftet, tun soll. Einfach trinken? An die happy hour zu den Nachbarn im Mettmi 50+ mitbringen…, damit sich die Sündenlast auf möglichst viele verteilt? Die Pfarrkollegin aus Rifferswil rät mir augenzwinkernd, den Wein beim nächsten Abendmahl einzusetzen, das würde ihn bestimmt reinwaschen! Vielleicht lege ich die drei Flaschen auch zu all den anderen in meinen Keller. In ein paar Jahren habe ich dann eh vergessen, was es mit ihnen auf sich hat…
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter April
Seit einigen Jahren baue ich im Pfarrgarten wunderbar scharfe Bhut Jolokia Chilis an. Auch für dieses Jahr sind die Setzlinge schon wieder in den Startlöchern bzw. in den Töpfchen. Nach gegenwärtigem Stand ist es die 7. Schärfste Chilisorte der Welt. Im eigentlichen Sinn geniessbar sind die Dinger nicht, aber hübsch anzusehen. Getrocknet und zu Pulver gemahlen (mit Mundschutz und Schutzbrille) streue ich sie auf die Gartenbeete um den Fuchs oder die Nachbarsbüseli zu verjagen. Ach ja, und bei akuter Pubertät sind die Schoten auch einsetzbar. So habe ich vor einiger Zeit beim Pizzaessen nach dem Jugendgottesdienst mit einer Horde wilder 6. Und 7. Klässlern ein paar der Chilis auf den Tresen gelegt. Die vorlautesten unter den Jungs konnten der Versuchung erwartungsgemäss nicht widerstehen und spielten “wer ist der härteste Kerl im Umzug…?“ Kurze Zeit später war aus dem lauten Imponiergehabe der harten Kerle ein stilles, verbissenes Leiden geworden. Die überschüssige Energie wurde von den brennenden Chili-Mäulern offensichtlich vollumfänglich absorbiert….
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter März
Am letzten Sonntag im Januar, war der Kirchbesuch mässig. Vor allem die Männer waren dünn gestreut, dünner als sonst, wollte es mir scheinen. Auch die Konfirmanden konnte man an zwei Fingern abzählen (einer davon war mein Sohn mit Gottesdienstbefehl…). Im Kirchenschiff präsentierte sich mir quasi das Januarloch! Oder war es die Grippewelle, und die halbe Gemeinde lag im Fieberwahn darnieder? Erst nach dem Gottesdienst, beim Kaffee erfuhr ich dann, gegen welchen Titan ich angetreten war mit dem schlichten reformierten Predigtgottesdienst an diesem Sonntagmorgen und wo der Rest der Gemeinde (mutmasslich) steckte: Seit 09.30 Uhr lief am Fernsehen der Final des Australian Open, Roger Federer gegen Marin Cilic… lch kam gerade noch rechtzeitig zum letzten Satz.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Februar
Taufbesuche gehören für mich zu den freudigsten Ereignissen des Pfarreraltages. Neulich stehe ich an einem Babybettchen und versuche das Taufkind zum Lächeln zu bringen, während im Hintergrund die Brüder der Kleinen zusammen mit der Mutter noch in der Küche werken. Plötzlich steht der eine Knirps neben mir. „Sie isch fremd“… sagt er vieldeutig, fast schon beschwörend. Für einen Moment brennt der Philosoph mit mir durch: Was für ein bemerkenswerter Satz eines Vierjährigen…“sie isch fremd“…fürwahr, sind wir nicht alle manchmal fremd in diesem Leben? Vor meinem Geistigen Ohr höre ich Schubert: Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus… ja, das Fremdsein des Menschen als ontologische Konstante…schon der grosse Platon…Aber weiter komm ich nicht. Herzzerreissendes Babygeschrei beendet jäh die philosophische Abschweifung. Und ich verstehe schmunzelnd, was mir der Knirps so eindringlich mitteilen wollte: Das Schwesterchen fremdelt…uups!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Januar
Wenn KonfirmandInnen zum Gottesdienst kommen, dann sitzen sie immer ganz hinten in der Kirche. Das ist seit Urzeiten so. Alles andere würde einen sehr erstaunen. Und so bin ich denn tatsächlich sehr erstaunt, als im Gottesdienst zum ersten Advent um 09:55 ein Konfirmand die Kirche betritt, den ganzen langen Mittelgang nach vorn geschritten kommt, mir artig die Hand schüttelt und in der vordersten Reihe Platz nimmt. Ob der junge Mann etwas ausgefressen hat?... zwei Minuten später wiederholt sich das Schauspiel. Der nächste Schtürchel schreitet den Mittelgang ab, begrüsst mich mit Händedruck und nimmt in der vordersten Reihe Platz. Verstohlen suche ich nach der versteckten Kamera… oder werden hier gerade Wett-Versprechen eingelöst?
Nach dem Gottesdienst frage ich die beiden nach dem Grund für den überkorrekten Auftritt. Aber sie können mir keinen Grund nennen: „Keine Ahnung“. „Hat sich so ergeben…“ein neuerlicher Händedruck und weg sind sie. Eigentlich haben sie recht: Es muss nicht immer alles einen Grund haben. Ich freu mich jedenfalls und betrachte den „Vorfall“ als gutes Zeichen für das neue Kirchenjahr.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Dezember
Wenn ich an die vielen Krippenspiele denke, in denen ich als Kind selbst mitgespielt habe, dann sind es nicht die Hirten, die mir als erstes in den Sinn kommen oder die Könige oder Maria und Josef. Nein. Der Höhepunkt jeder Sonntagsschulweihnacht war die Zündschnur. Der Sigrist schritt jeweils gemessen zur Tat und hielt eine kleine Kerze an das unterste Stück der Zauberlunte. Sofort raste eine kleine helle Feuerkugel über den ganzen Christ-Baum und entzündete auf ihrem Weg sämtliche Kerzen durch die sie aufwändig gelegt war. Manchmal gab es auch Abzweigungen, und aus der einen Feuerkugel wurden zwei oder drei, die lustig über den Weihnachtsbaum tanzten. Im Nachhinein vermute ich das meine Faszination für die Anzünde-Zeremonie durchaus einer echten kindlichen Intuition für Weihnachten entsprang: Es hatte so etwas Leichtes, Spielerisches, wie die Feuerkugeln das Licht von Kerze zu Kerze trugen… und genau das ist ja die wirkliche Weihnacht: Eine federleichte Ansteckung mit Freude, Heiterkeit, Liebe, die von einem zum anderen springt! Ich wünsche Ihnen eine ansteckende Adventszeit!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter November
Irgendwann im Juni stand er zum ersten Mal an der Pfarrhaustüre. Ein Süditaliener wie aus einem Fellini-Film mit abgetragenem Veston, Coppola und Dreitagebart. Er habe mir einen wunderbaren Wein aus Italien zu verkaufen zu einem sehr günstigen Preis. Und schon hielt er mir zwei Flaschen Montepulciano vor die Nase. 10 Franken die Flasche. Un vino meraviglioso. Ich kaufte ihm die beiden Flaschen ab. Natürlich konnte ich es nicht lassen, im Internet schnell nachzuschauen, was für einen edlen Tropfen ich soeben erworben hatte. Die Sache verhielt sich wie vermutet: Montepulciano D’Abruzzo, „Santangelo“ - Denner, Fr. 2.40.
Ein paar Wochen später stand der Mann wieder vor der Türe. Wieder mit zwei Flaschen des besagten Spitzenweines. Ich kaufte ihm auch diese ab, erwähnte aber nebenbei, dass ich schon wisse, dass er seinen Wein im Denner kaufe, für 2.40 Fr.
Dergestalt konfrontiert lachte er mich halb belustigt, halb empört an: Ma padre, che pensi di me…Nein, er würde doch nie im Denner Wein kaufen…! Er sei doch kein stupidone, in Italien bekomme man die Flasche schon für einen Euro...
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Oktober
In Pfarrgarten geht der Fuchs um!
Fast täglich finde ich irgendwo ein neues Häufchen, vor allem im Treibhaus. Alle Versuche, den ungebetenen Gast wieder los zu werden scheiterten bis jetzt. Die Mausefallen, die ich verteilt habe, auf dass er eins auf die Pfoten kriegt, umgeht er geschickt. Das ausgestreute Chilipulver lässt ihn – obwohl ausgesprochen „hot“ - ziemlich kalt. Ich habe im Internet schon Baupläne von indonesischen Netzfallen studiert, bei denen das Fangtier am Ende handlich verpackt vom Baum...baumelt. Aber das birgt erhebliche Risiken. Am Ende baumelt dann sicher der Nachbar im Netz oder sonstwer.
Also versuchen wir es mit friedlicher Ko-Existenz, was eigentlich ganz gut geh, wenn man sich einmal drauf einlässt. Und einen Vorteil hat die Präsenz von Meister Reineke im Pfarrgarten auf jeden Fall: Seit er ins Treibhaus macht, versäubern sich die diversen Nachbarsbüseli anderswo...
Pfarrer, Andreas Fritz

Chilefänschter September
Für den 20. August hatte ich schon lange einen Freisonntag geplant. Schon im Mai begann ich mit der Suche nach einer geeigneten Vertretung, aber irgendwie wollte es nicht klappen. Wen ich auch anfragte von den bewährten und geschätzten Wanderpredigern im Säuliamt und im Freundeskreis, alle erteilten mir eine Abfuhr. Obwohl ich langsam nervös wurde entschied ich mich, das Problem vorderhand nach Art der Heiligen zu lösen indem ich nichts weiter unternahm. Den seinen gibts der Herr im Schlaf...! (Und falls er es nicht tut, hat es auch keinen Sinn, sich dagegen aufzulehnen...)
Bis Anfangs Juli zeichnete sich ab, dass die Lösung der Heiligen bei einem reformierten Pfarrer nicht fruchten würde und ich begann mich damit abzufinden. Dann eines morgens ein Anruf aus Bern. Eine mir unbekannte Pfarrerin fragte an, ob sie in der Kirche Mettmenstetten zwei Kinder von Verwandten, die in der Region wohnen, taufen dürfe. Sie würde dann auch gleich den Gottesdienst übernehmen und mir quasi einen Freisonntag schenken. Aha. Ich witterte Morgenluft. Was sie sich denn terminlich vorgestellt habe, fragte ich. Das sei halt ein bisschen das Problem, eigentlich komme nur ein Datum in Frage. Der 20. August... Hallelujah.
Pfarrer, Andreas Fritz

Chilefänschter August
Auch an der diesjährigen Greinawanderung mussten die Konfirmanden damit leben, dass es im Hochgebirge nicht immer Internet gibt. Für einige ist das erfahrungsgemäss gar nicht so einfach.
Und dann auch das noch: In der Motterascio Hütte gab es nicht einmal genügend Strom um die Telefone abends wieder aufzuladen! Da war die Jugend schlicht entsetzt... Kein Internet und ein langsam dahin sterbender Akku... was für eine Grausamkeit, ja Barbarei!
Eine halbe Stunde später war die Entrüstung mehrheitlich abgeklungen und die meisten sassen fröhlich beim Jassen oder Memory spielen. Dennoch wurden immer mal wieder die Geräte gezückt, um zu kontrollieren, wie sich der Akkustand entwickle. Beim Zmorgen liess eine Konfirmandin ihr Gerät beim Ueberprüfen des Akkustandes schlaftrunken in die Ovomaltine plumpsen. Da kam – ausser bei der Betroffenen – ziemlich viel Heiterkeit auf und jemand zitierte lakonisch die Ovi-Werbung:
„MIT OVI CHASCH'S NÖD BESSER – ABER VILLICHT LÄNGER"

Pfarrer, Andreas Fritz

Chilefänschter Juli
Beim Aussuchen der Konfirmationsprüche sind alle ernsthaft bei der Sache und durchforsten die Blätter, die ich ausgeteilt habe. Es geht immerhin darum, ein Bibelwort zu finden, das etwas mit dem eigenen Leben zu tun hat. Ein Leitvers für kommende Jahre. Nur eine Konfirmandin trödelt lässig vor sich hin und macht sich nicht einmal die Mühe in die Blätter zu schauen. „Hast Du Deinen Konfspruch schon?“, frage ich. „Scho lang... Psalm 119, Vers 105, Du bist meines Fusses Leuchte und ein Licht auf meinem Weg“ kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ich bin bass erstaunt. Bisher machte die junge Dame nicht einen besonders bibelfesten Eindruck. Wie sie denn auf diesen Vers komme, frage ich. „Justin Bieber...“, sagt sie gedehnt undzeigt mir kurze Zeit später ein Bild auf dem Handy, das den Popsänger und Teeniestar mit nacktem Oberkörper zeigt. Und unter der rechten Schulter steht es deutlich zu lesen, für alle Zeiten eintätowiert: Your word is a lamp for my feet, a light on my path. Psalm 119:105 Was soll man da noch sagen? Die Wege des EWIGEN sind unergründlich...
Pfarrer, Andreas Fritz

Chilefänschter Juni
Neulich brachte der Pöstler ein ziemlich schweres Paket. Da ich nichts bestellt hatte, suchte ich einen Anhaltspunkt über den Inhalt auf dem Absender. „Läckerlihuus“ stand da. Aber hallo!
Beim Gewicht der kapitalen Kiste hielt ich es allerdings für unwahrscheinlich, dass da wirklich Basler Läckerli drin waren. Wer schickt schon 5 oder 6 Kilo von dem edlen Gebäck durch die Gegend! Ein Werbegeschenk konnte es bei der Grösse definitiv auch nicht sein. Also öffnetet ich das Paket zackig mit schwerem Gerät (Brotmesser aus der Pfarrhausküche) und - wahrhaftig! Basler Läckerli so weit das Auge reicht. Schön aufeinader gepackte Kilosäcke. Dazu ein Kärtchen: „Damit wir auch weiterhin etwas zum Kaffee haben am Sonntag nach dem Gottesdienst.“ Was soll man da noch sagen...? Herzlichen Dank den Spendern! (Aus Bescheidenheit möchten sie nicht genannt werden.) Und, liebe Gemeinde, es gibt jetzt also noch einen unwiderstehlichen Grund mehr am Sonntag zum Gottesdienst zu kommen! Augenzwinkernd. Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Mai
Dass wir an Weihnachten mit blödsinnigen Kauf-Angeboten aller Art überhäuft werden, daran haben wir uns gewöhnt. Nun scheint sich der Konsumrausch auch auf Ostern auszudehnen... Jedenfalls bekam ich in der Karwoche mehrmals ein Mail mit dem Titel „Osterangebot: 15% Rabatt auf alle Sackmesser – nicht verpassen“. Warum man mir vor Ostern unbedingt ein Sackmesser verkaufen will, leuchtet mir nicht so ganz ein. Um Osterglocken zu schneiden im Garten? Oder um damit Schokolade-Hasen zu metzgen? Gibt es allenfalls eine neue Funktion an solchen Oster-Taschenmessern? Grosse Klinge, kleine Klinge, Schraubenzieher, Aale, Eiertütscher, Hasenpiekser... Ich weiss es nicht, denn ich hatte keine Lust von diesem Osterangebot zu profitieren. Es war mir schlicht zu wenig attraktiv! Was sind schon 15% Rabatt – das wahre Osterangebot, das Gott uns macht, ist ganz und gar GRATIS!
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter April
Als wir im Dezember den Weihnachtschmuck vom Estrich holten, kam auch wieder diese dümmliche Weihnachtsmann - Maske aus Kunststoff zum Vorschein, die, mit einer Batterie versehen, jedem, der vorbei läuft, „HOHOHO Merry Christmas“ wünscht. Aus Witz montierten wir das Plastikding an der Wand neben der Wohnungstüre So wurden wir gewiss 100 mal am Tag mit einem „HOHOHO Merry Christmas“ bedacht. Beim Kommen, beim Gehen und beim Weg in die Küche. Mit der Zeit fanden wir recht präzis heraus auf welche Distanz der Bewegungsmelder reagiert, und machten uns einen Spass daraus möglichst gleichzeitig mit dem Weihnachmann Hohoho zu sagen. Oder wir stellten dem Platstikgesellen schwierige Fragen, auf die er natürlich immer nur die eine Antwort gab: HOHOH Merry Christmas... Meine Hoffnung, die Batterie halte gewiss nicht ewig, hat sich bis heute nicht erfüllt. Mittlerweile blühen bald die Kirschbäuem aber der Hohoho hängt immer noch an der Wand und wünscht weiterhin Tag und Nacht frohe Weihnachten. Aber da er nun schon bald zur Familie gehört lassen wir ihn hängen, solange es ihm wohl ist. Und eigentlich ist es ganz gut, immer wieder daran erinnert zu werden, dass Weihnachten weitergeht und Gott uns nah ist auch im Frühling und im Sommer. In diesem Sinn: HOHOH Merry Christmas und einen frohen Frühling!

Chilefänschter März
Seit gut 2 Jahren habe ich nun schon ein altes schwarzes Bakelit-Telefon im Büro herum liegen. Ein Schreiner in Rifferswil hat es mir überlassen. Leider hatte ich noch nicht die Musse es zu installieren. Dabei sind das grossartige Dinger. Da spürt man die Nummer noch richtig in den Händen, wenn man die schwere Wählscheibe dreht und jemanden anruft. Wenn es schellt, tut es dies noch gradlinig und schrill, nicht wie heutige Apparate, die auf alle möglichen Arten säuseln und musigen. Und mit dem schweren Hörer in der Hand, spürt man noch förmlich das Gewicht der Worte, die trösten können oder verletzen, froh oder traurig machen. Ich nehme mir vor, den Apparat nun wirklich zu installieren. Er soll mich in seiner altmodischen Behäbigkeit täglich daran erinnern, dass auch weiterhin jedes Wort sein Gewicht hat, auch wenn allenthalben von Beginn des postfaktischen Zeitalters die Rede ist.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Februar
Es ist der 4. Advent, der Singkreis ist da und begleitet uns im offenen Singen. Alles ist vorbereitet, die Kerzen sind angezündet, die Kirche füllt sich mit singfreudigen Menschen. Der Chor hat sich vorne in der Kirche aufgestellt. Nach dem Einläuten beginnen sie zu singen.
Oh Schreck, die kleine Glocke fängt an zu läuten. Ich weiss, was das heisst: ich habe vergessen den Automat für das Abendläuten auszuschalten! Ich haste sofort in die Sakristei und stelle den Automatenschalter auf 0. Nichts passiert! Die 13 Minuten sind angelaufen. Was tun? Ah, der Hauptschalter. Ich eile die 4 Treppen im Kirchturm hinauf und kippe den Hauptschalter. Augenblicklich sind die Kontrolllichter der Glocken gelöscht, aber die Glocken schwingen natürlich noch. Langsam wird es weniger aber immer mal wieder bim, bam, bam.
Ich betrete die Kirche und entschuldige mich. Der Chor hat nach dem ersten Lied eine Pause gemacht. Der Dirigent sagt: «Es haben wohl selten so viele Leute so aufmerksam dem Glockenläuten zugehört.» Alle lachen.
Jetzt können wir das Konzert geniessen.
Elsbeth Durrer, Sigristin

Chilefänschter Januar
Ich staunte nicht schlecht, als mein Sohn mir am Abend des dritten Sonntags im November erklärte, er hätte den ganzen Nachmittag beim Kerzenziehen verbracht. Ich konnte mir nur schwer vorstellen, dass ein 2.Oberstüfler, der gerne über die Stränge haut, sich dem meditativen Flow der handwerklichen Kerzenherstellung hingibt...so kann man sich täuschen!
Die gezogene Kerze habe er leider nicht mitnehmen können, sie sei noch in der Sennerei. Wenn ich wolle, könne ich sie ja bezahlen und holen. Ich beschloss ein guter Vater zu sein und machte mich auf den Weg. Als ich die Kerze sah, traf mich fast der Schlag. Da stand ein fast meterlanger Prügel aus Bienenwachs. In jedem schlechten Film hätte man damit wohl den Bösewicht ins Jenseits befördert. Ich liess das Ding wägen und mit einem Kilopreis von
43.- multiplizieren. Und bald war mir klar, dass auch ich die Kerze nicht würde mitnehmen können. Mano grinste nur als ich mit leeren Händen zurück kam. Offenbar hatte er das erwartet. Wir kamen überein die rund 170 Franken, die sein Bienenwachsprügel gekostet hätte, im neuen
Jahr für eine gemeinsame Unternehmung aufzuwerfen.
Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter Dezember
Einmal im Monat findet im Chor der Kirche eine Meditationsnacht statt. In der Regel beginnen wir die Nacht mit einer schlich­ten Abendmahlsfeier im Kreis. Vor einiger Zeit geht just während dieser Abendmahlsfeier die Kirchentüre auf und eine verspätete Teilnehmerin stürzt herein, hetzt durch den Mittelgang, setzt sich zackig in unseren Kreis. Da sitzt sie und blickt einigermassen verunsichert auf den Kelch, wie er die Runde macht... Offenbar ist sie mit den christlichen Ritualen nicht vertraut. Ich versuchte zu erklären: „Mer fiiret am Aafang immer s Aabigmahl mit­enand“. Die Mine der unbekannten Besu­cherin hellt sich auf. „Ah, das isch e gueti Idee... aber danke, ich han scho z Nacht ghaa!“ Und sie gibt den Kelch, der gerade bei ihr ankommt, freundlich aber entschie­den weiter... Ich kann mir ein Schmunzeln nicht ver-kneifen und auch auf anderen Gesichtern macht sich Heiterkeit breit. Und einen Mo­ment lang, verweile ich beim Gedanken, dass für uns „zwinglianisch“ Reformierte das Abendmahl ohnehin nur das äussere Zeichen ist von Gottes Liebe. Sie gilt uns ausnahmslos allen. Auch jenen die schon zNacht gehabt haben...
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter November
Die Firma Schmidiger kündigte neulich mit einem knappen Schreiben an, sie werde am Soundsovielten im Auftrag des „Amtes für Abfall, Wasser, Energie und Luft“ die Leckwarnschutzanlage des Heizöltanks kontrollieren. Da ich nicht genau weiss, wo die genannte Anlage mit dem langen Namen sich im Pfarrhauskeller befindet, rufe ich bei Schmidiger AG an. Mir schwant Böses... Die wollen doch nicht etwa in meinen Privatkeller...! Die Dame am Telefon ist sehr freundlich und erklärt mir die Anlage mit dem langen Namen befinde sich praktischerweise meist im Heizungskeller. Als ich hörbar erleichtert reagiere, bricht sie in schallendes Gelächter aus und kann sich kaum mehr erholen. Leicht irritiert frage ich was denn los sei. „Nüt“... .“Tschuldigung“. Hät nüt mit Ihne z tue...! Da geht mir ein Licht auf und ich frage sanft ins Telefon: „Gället sie, sie händ au es Puff im Chäller“ Am andern Ende geht das Gelächter wieder los. „Ja logisch... “.. Diesmal lache ich ausgiebig mit. Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Oktober
Für das VaterSohnWochenende Ende August war eitel Sonnenschein vorher gesagt. Das richtige Wetter um mit den Vätern und Buben an der Sihl zu campieren, zu baden und zu kochen. Aufgrund der tadellosen Prognose entschloss ich mich wieder einmal in der Hängematte zu nächtigen. Wie schön! Durch die Blätter der grossen Buche hindurch funkelten die Sterne, ein paar Meter weiter rauschte die Sihl, in der Luft hing noch ein feiner Rauch vom Lagerfeuer. So schlief ich selig ein am Busen der Natur, während auch in den Zelten, langsam die Lichter verlöschten. Als ich mitten in der Nacht aufwachte, war es vorbei mit der Idylle. Es goss wie aus Kübeln. Ich hatte wohl wieder einmal dem falschen Wetter-App vertraut. Es blieb mir nichts anderes übrig als im grössten Zelt Unterschlupf zu suchen, mit feuchtem Schlafsack und ohne Schlafmatte. War ich eben noch wohlig eingeschlafen wie ein satter Säugling am Busen der Natur, so fand ich mich nun quasi auf dem harten Boden der Realität wieder, lag wach und zählte die Viertelstunden. (Auch ohne Glockenschlag...!) Und mir wurde wieder einmal bewusst, dass das bedingungslose Vertrauen des Menschen allein dem Segen des Himmels gelten darf! Bei den Segnungen der Technik hingegen – und mögen sie noch so toll sein - sollten wir immer auch einen Plan B bereithalten.... - Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter September
Wie nimmt man eigentlich im Pfarramt das Telefon ab ...? Darüber hat man uns zu meiner Zeit nichts beigebracht in der Ausbildung. Dabei hat es die Frage durchaus in sich... Melde ich mich mit «Andreas Fritz, Pfarramt Mettmenstetten», oder mit «Pfarramt Mettmenstetten, Andreas Fritz»? Steht also das Amt im Vordergrund, oder Name bzw. die Person, des Pfarrers? Oder betone ich eher, dass ich Teil einer Gemeinschaft bin und melde mich mit «Chile Mettmestette,» wenn ja, ist es allenfalls wichtig zu betonen, dass diese Kirche reformiert ist, also: «reformierti Chile Mettmestette»? Natürlich könnte man auch die grundsätzliche Offenheit der Kirche betonen indem man sich schlicht mit einem einladenden «JAA..» meldet... Oder man betont den Dienstleistungscharakter und tut es gewissen Versicherungen gleich: «reformierti Chilegmeind Mettmestette, min Name isch Andreas Fritz, was chan ich für sie tue» ... Und zugegeben: Manchmal packt mich auch die Lust, die ganze Pfarramtlichen Meldeproblematik auf die Schippe zu nehmen, dann melde ich mich mit «Fritz in Bümpliz» und schau mal, was passiert.
Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter August
«Man ist immer so alt, wie man sich fühlt»,so weiss es ein oft zitiertes Sprichwort. Allerdings hat diese Weisheit auch ihre (natürlichen) Grenzen, das ist mir neulich aufgegangen, als ich mit den Ex-Konfirmanden im Europapark war... Sie wissen was kommt: Man fühlt sich selbst jung und jugendlich unter all den jungen Menschen, will auf keinen Fall alt wirken...
So nimmt das Verhängnis seinen Lauf, und irgendwann findet man sich im Anstieg einer dieser selbstmörderischen Achterbahnen wieder, wird langsam in schwindelerregende Höhen gezogen und flucht innerlich auf die eigene Eitelkeit. Aber es gibt kein Entrinnen mehr. Unter einem werden die Menschen langsam zu Ameisen. Nach vollbrachtem Höllenritt rennt die Jugend schon zur nächsten Attraktion. Der aber, der glaubte, man sei immer so alt wie man sich fühle, fühlt sich gerade soooo alt, dass er die nächste Viertelstunde still auf einem Bänkli sitzt und wartet, bis sich die Zustände im Magen wieder normalisiert haben....
Pfarrer Andreas Fritz

Gast-Chilefänschter Juli
Nach dem Unterricht letzten Samstag sprechen Pfarrer Andreas Fritz und ich noch über unsere Erfahrungen im Unterricht. Da erzähle ich ihm, was grad vorhin in der Lektion passiert ist...

Wir sind mit den 2. Klässlern an den biblischen Wandergeschichten. Da kommt auch die Geschichte von Mose dran. Also ich erzähle frisch fröhlich von Mose, wie er gerettet wurde vor dem Pharao, wie er später das Volk aus Ägypten herausführte, wie er mit den vielen Leuten unterwegs durch die Wüste war, und alles was er da so erlebt hat. Dann waren wir am Ende der Geschichte angelangt, und ich sagte noch, dass Mose merkte, dass er bald sterben werde. Er sei ja schon 120 Jahre alt.

Die Kinder schauten mich an und eines sagte: «o, das ist ja noch älter als Sie sind!»
Da wusste ich es. Zwar bin ich noch nicht halb so alt wie Mose damals, doch in den Augen der Kinder schon sehr alt. Aber doch noch jung genug, dass die Kinder in der Pause mich fragen: «Machen Sie auch mit beim Fangis?»

Heidi Degiorgi, Katechetin

Chilefänschter Juni
Als ich neulich beim Coiffeur sass und in den Spiegel blickte, da fand ich, dass mir der schwarze Coiffeurmantel ausnehmend gut stand. Wahrhaftig, er verlieh mir eine grosse Ernstanhaftigkeit, ja Würde...! Gewiss hatte dieser Eindruck auch mit der ohnehin ordentlichen Erscheinung zu tun, die einem so ein Haarschnitt in der Regel verleiht. Versuchsweise dachte ich mir zum schwarzen Mantel noch zwei hübsche weisse Päffchen hinzu und kam zum Schluss, dass mir ein Talar eigentlich gut stehen würde. (Nachdem ich nun 20 Jahre lang entschiedener Talargegner war...) Die Zukunft wird zeigen, ob es sich bei meiner Erkenntnis nur um einen spontanen Anfall von Eitelkeit gehandelt hat, oder um den Anfang einer neue Aera in punkto Predigtgewand. Auf alle Fälle weiss ich mich mit meinen existentiellen Gedanken beim Blick in den Coiffeurspiegel in bester Gesellschaft! Schon den grossen Mani Matter, hat ja einst, in ähnlicher Situation das metaphysische Gruseln gepackt....

Pfarrer Andreas Fritz

Chilefänschter Mai
Vor einiger Zeit bemerkte ich, dass sich an der Holzdecke im Pfarrhauskeller ein Brett gelöst hatte und auf der einen Seite nur noch lose auf einem Heizungsrohr auflag. An sich nichts weltbewegendes. «Materialschwund» sagte der beigezogene Fachmann hinterher, als er das Brett zurück an seinen Ort schraubte. Brisant an meiner Entdeckung war lediglich der Zeitpunkt: Eben spielte sich im Keller ein munteres Seniorenessen ab. Für einen Moment war ich versucht auf Nummer ganz sicher zu gehen und die mögliche Absturzstelle weiträumig zu evakuieren. Allerdings hätte das wohl eine grosse Unruhe gebracht in die fröhliche Veranstaltung, und eigentlich schien das Brett auf dem Heizungsrohr vorerst stabil zu liegen. Vollends bestärkt in meiner Entscheidung nichts zu unternehmen, hat mich allerdings der Umstand, dass in der unmittelbaren Gefahrenzone ausschliesslich gute Kirchgänger sassen. Der EWIGE würde gewiss nicht ausgerechnet seine treusten Schäfchen zu Schaden kommen lassen....!

Augenzwinkernd.
Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter April
Neulich besuchte ich mit den Konfirmanden die wöchentliche Abendmahlsfeier im Kloster Kappel. Das ist ein ziemlicher Sprung ins kalte Wasser für die Jungen.
Die andächtige Stimmung und der liturgische Ablauf sind für die meisten ungewohnt.
Aber ich finde, einmal ein Kappeler Abendmahl erlebt zu haben gehört im Säuliamt zur reformierten Allgemeinbildung.
Und so wagten wir uns also in die Höhle des Löwen, bzw. in den Kapitelsaal im Kreuzgang.
Als wir eintraten sass da bereits dichtgedrängt eine stattliche Abendmahlsgemeinde.
Aber irgendwie war alles seltsam. Einige Anwesende, waren ziemlich finster geschminkt. Während dem Eingangslied bemerkte ich, dass der Mann neben mir in Wirklichkeit eine Frau war und einen angeklebten Schnauz hatte. Ein anderer Mann vis a vis trug deutlich erkennbar eine Perücke. Den Konfirmanden und Konfirmandinnen war anzusehen, dass sie sich im falschen Film wähnten. Fragende Blicke, Getuschel. Waren sie in eine Sekte geraten?
Noch verstärkt wurde dieser Eindruck durch die Inbrunst mit der die Sektenbrüder die Gebete sprachen und die Lieder sangen und einander im Abendmahl das Brot und den Kelch weiterreichten.
Mit dem letzten „Amen“ verliessen die Jugendlichen fluchtartig den Raum und kugelten sich im Kreuzgang vor Lachen....“Hey das isch ja voll krass, häsch gseh, das isch im Fall e Frau gsii... und wie die gsunge händ...“
Die vermeintlich finstere Sekte entpuppte sich indes bald als Vikariats-Kurs der Landeskirche.
Alles angehende Pfarrer und Pfarrerinnen, die ihren letzten Abend mit einem Rollenspiel verbrachten.
So war es auch an diesem Abend wie oft im Leben: Erst beim Blick hinter die Kulissen erkennt man wirklich, was gespielt wird.

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter März

Seit Wochen liegt die Steuererklärung auf meinem Schreibtisch und erinnert mich daran, dass ich sie ausfüllen sollte. Ich habe die Kommissärin auf der Gemeinde vorsorglich darum gebeten, mir dieses Jahr etwas mehr Zeit zu geben... . Übrigens habe ich den Fachbegriff für diesen Vorgang erst vor kurzem gelernt und zwar beim Seniorenessen. Ein Mann Anfang achtzig erzählte mir von seiner bevorstehenden Herzoperation. Offenbar machte ich beim Zuhören ein sehr besorgtes Gesicht, denn er sagte lächelnd: „Sie müssen sich keine Sorgen machen, Herr Pfarrer, ich komme schon wieder. Wissen sie, ich habe im Himmel Fristerstreckung eingereicht...

Nachtrag: Zu meiner Freude, wurde dem Antrag auf Fristerstreckung in beiden Fällen stattgegeben!

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Februar

Seit ich lesen kann, fasziniert mich bei gewissen Worten die Tatsache, dass sie rückwärts gelesen einen anderen Sinn ergeben.
Hin und wieder frage ich mich auch, ob zwischen einem Wort und seinem Rückwärtsbruder gar ein innerer Zusammenhang besteht...
Zum Beispiel hat der SARG ja doch einiges mit dem GRAS zu tun unter das er gemeinhin zu liegen kommt. Auch dass das LAGER, wo wir viele nützliche Dinge aufbewahren, über das eine oder andere REGAL verfügt, scheint sinnig.
Im Allgemeinen gehen wir auch davon aus, dass einer der ein BEIL in der Hand hat es LIEB meint...
Ebenso wissen wir, dass wir im LEBEN hin und wieder mit NEBEL zu kämpfen haben, auch im übertragenen Sinn.
Und ja, für den Faulen, der das neue Elektrogerät ohne Gebrauchsanweisung in Betrieb nimmt gilt im Nachhinein vielleicht:
LESE, ESEL.
Beim REGEN macht mir seit neustem die politische Korrektness einen Strich durch die Rechnung... obwohl sich hier ein innerer Zusammenhang geradezu aufdrängt.
Die tiefste Erkenntnis allerdings ist mir in Griechenland, der Wiege aller Philosophie, gekommen: Nachdem ich reichlich einem fein geharzten Retsina zugesprochen hatte, entdeckte ich, dass das (auf dem Land übliche) Behältnis desselbigen immer sich lebst bleibt: RETSINAKANISTER...
Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Januar

Anfangs Dezember ruft mich Ernst Suter an. Ohne Umschweife kommt er zu seinem Anliegen:
„Wieviil Kamel häsch?“
Im ersten Moment verstehe ich rein gar nichts. Ich habe zwar einmal mit dem Gedanken gespielt eine Ziege oder ein Schaf anzuschaffen im Pfarrhausgarten, aber Kamele…
Vorsichtig frage ich nach dem Befinden meines Gegenübers. Schliesslich ist die Adventszeit bekannt dafür, dass der eine oder andere etwas überhitzt und plötzlich rote Elefanten sieht... oder - warum nicht - Kamele.
Die Antwort ist unverdächtig: „Gaat guet, cha nöd chlage...echli vil z tue“ - „Gäll, zwei, oder?“
Offenbar hält er an den Kamelen fest. Jetzt heisst es Farbe bekennen:
„Ernscht ich chume nöd druus“
Ein Grinsen am anderen Ende der Leitung verrät mir, dass da einer Schabernack treibt mit mir.
„Weisch, wäge de tragbare Mikrofon…“
Aha. Jetzt ist alles klar: Krippenspiel!
Ich hätte es wissen müssen….

Mit humorvollen Wünschen für s neue Jahr!

Andreas Fritz, Pfarrer


Chilefänschter Dezember

Wir erklären unserem Jüngsten, dass es nun an der Zeit sei eine gefütterte Jacke zu kaufen.
Jonathan kugelt sich vor Lachen. Das Wort "gefüttert" scheint ihn im Zusammenhang mit einem Kleidungsstück sehr zu belustigen.
Einige Stunden später kommt er mit einem schönen neuen Mantel ins Büro gestürzt: Lueg Papi, s'Mami hät mer en vollgfrässene Mantel kauft. ..!

Ich wünsche uns allen eine warme Advents- und Weihnachtszeit.

Pfarrer Andreas Fritz


Chilefänschter November

Während der warmen Jahreszeit kommen hin und wieder Roma aus dem Osten an die Pfarrhaustüre und suchen Arbeit im Garten. Wenn das Unkraut gerade hoch steht (und das tut es fast immer..), stelle ich sie gerne für ein paar Stunden an. Vor einigen Wochen waren zwei Slovaken da. ......

........Während ich ihnen zeigte, was zu tun war, hörte ich, dass sie miteinander ungarisch sprachen. Offenbar gehörten sie zur Ungarischen Minderheit in der Slovakei. Ich liess mir allerdings nicht anmerken, dass ich jedes ihrer Worte verstand.
Als sich die beiden dann nach getaner Arbeit mühsam auf Englisch verabschiedeten, konnte ich es nicht lassen doch noch ungarisch aufzutrumpfen...
Hei da freuten sie sich aber, als sie plötzlich ihrer Muttersprache hörten. Doch weh mir!

Jetzt nachdem die Sprachbarriere gefallenen war, wollten sie nicht mehr aufhören mit Erzählen. Von der kranken Schwester zuhause, von den hungrigen Kindern, vom leeren Benzintank, von der gänzlich unverschuldeten Busse wegen der abgefahrenen Pneus, vom Winter, der gewiss streng würde dieses Jahr ... Ganz alles glaubte ich den beiden Schlaumeiern nicht, und zu Geldspenden liess ich mich nicht überreden. Trotzdem hatte mich meine unvorsichtige Prahlerei eine Viertelstunde später etwa drei Kilo Grundnahrungsmittel gekostet, zwei grosse Dosen Ravioli, zwei fast neue Winterreifen aus der Garage und etliches Alteisen. Als die beiden endlich losfuhren, betonten sie noch einmal, wie erfreulich das sei, wenn jemand Ungarisch spreche.... Tatsächlich!

Andreas Fritz, Pfarrer

Chilefänschter vom Oktober

Unser Papagei war eigentlich den ganzen Sommer über im Garten. Meist sass er auf dem Käfig und beäugte die Bauarbeiten auf der Pfruendmatt. Solange der Baum, unter dem der Käfig stand, schwarze Beereli trug, war er auch oft im Baum anzutreffen. Zum Abhauen in die grosse weite Welt fehlt ihm der Mut. Er hat panische Angst vor anderen Vögeln....

.....Erst gegen Ende August wagte er hin und wieder einen kleineren Aus-Flug rund ums Pfarrhaus. Manchmal kommentierte er vom grossen Ahorn aus das Geschehen auf dem Wöschlivorplatz. Am letzten Augustsonntag aber begab sich Dramatisches: Ich sitze eben am Computer und drücke eine Taufurkunde aus, plötzlich höre ich von der Zürichstrasse her wildes Papageiengeschrei. Da fliegt mein Vogel in der Morgensonne und hinter ihm her zwei wilde Tauben, die ein offenbar feindliches Interesse haben an dem fremden Fiederling. Natürlich sind sie ihm fliegerisch weit überlegen. Was tun? Bis ich draussen bin sind die Vögel wahrscheinlich allesamt weg. Ich öffne das Fenster und rufe aus Leibeskräften. Und tatsächlich, der Papagei erkennt den Fluchtweg, ändert die Richtung und kommt durchs Fenster hereingeflattert.
Ich hoffe, er hat an diesem Sonntag zwei wichtige Dinge gelernt übers Leben:
 
1. Die grosse Freiheit birgt immer auch Unbekanntes.
2. Manchmal geht auch in auswegloser Situation irgendwo noch ein Fenster auf...

  Andreas Fritz, Pfarrer

 
unser Kirchturm Museum ist jetzt auch online. Herzlichen Dank an die IG Mettmenstetten!
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Gesprächsgruppe für pflegende und begleitende Angehörige
Am 11.12.2018 um 09:30 Uhr
im Wöschhüsli, Reformierte Kirche Affoltern, Ursula Jarvis
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Gemeindeweihnacht
Am 16.12.2018 um 17:00 Uhr
reformierte Kirche Mettmenstetten, Pfarrer Andreas Fritz und Team
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ökumenische Weihnachtsfeier 60+
Am 18.12.2018 um 14:00 Uhr
kath. Pfarreizentrum, Ursula Jarvis
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